Pelz: Tierqual ist vielen Kunden völlig egal

Plusminus hat vor einigen Tagen über die qualvollen Haltungsbedingungen berichtet, die Tiere auf Pelzfarmen nicht etwa irgendwo in China, sondern mitten in der EU zu erleiden haben. Vor allem in Polen und Skandinavien ist die Pelzzucht ein boomender Markt, dabei stehen den armen Tieren oft nur nackte Drahtkäfige zur Verfügung, in denen sie sich kaum drehen können – damit geht’s den Pelztieren beinahe noch schlechter als vielen Legehennen. Die Pelzzüchter liegen dabei aber völlig auf EU-Linie, die aktuellen Gesetze sehen genau solche Qualen für die Pelztiere vor, eine abartige Politik. Wie soll man sich redlich über den Umgang mit Tieren in Ländern wie China oder Bangladesh beschweren, wenn in der EU immer noch auf einigermaßen erträgliche Lebensbedingungen von Lebewesen geschissen wird, weil sich einzelne Unternehmen damit die Taschen voll machen können.

Und den Kunden gehen die Haltungsbedingungen, von denen jeder weiß, vielfach völlig am Arsch vorbei. Ich dachte, dass wir in unserer Gesellschaft eigentlich schon vor Jahrzehnten soweit waren, dass echter Pelz als Klamotte keine richtig gute Sache ist und Tierquälerei begünstigt – und zwar nicht von wenig niedlichen Nutztieren wie Hühnern in anonymen Ställen, die haben ja keine Niedlichkeitslobby, sondern von kulleräugigen Füchsen und Mardern, das sollte doch beim Kunden ziehen. Oder?

Stattdessen zeigen sich in dem ARD-Beitrag auch junge Leute völlig stumpf und abgebrüht den qualvollen Haltungsbedingungen in der Pelzzucht gegenüber. Weil der echte Pelzbesatz an der Kapuze eben besser aussieht als Kunstpelz, sind auch Leute unter 30 offenbar gerne bereit, die Tiere in ihren Käfigen leiden zu lassen. Viele der „Digital Natives“, die mehr als andere Generationen regelmäßig von PETA und anderen Tierschützern mit allen nötigen Infos versorgt werden, sind scheinbar zwischen den letzten geposteten Essensbildern bei Instagram (Hashtag #fitlife!!) und der nächsten Folge GNTM den Konsequenzen ihrer Kaufentscheidungen gegenüber so komplett abgestumpft, dass sie selbst nach dem Anblick der leidenden Tiere nochmal überlegen müssen, ob sie beim nächsten Einkauf bei Primark oder Zalando nicht wieder zur Echtpelzkapuze greifen – einfach weil man damit in der Münchner Fußgängerzone zwischen McDonald’s und Pimkie ein bisschen geiler aussieht. Man möchte sich bei so viel Stumpfheit kurz auf den Laptop übergeben.

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